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Pfingsten in Salzburg

Ein Fest des Heiligen Geistes

Vom 7. bis zum 10. Juni feierten junge Menschen im Salzburger Dom gemeinsam Pfingsten. Mehr als 8.000 Jugendliche kamen in diesem Jahr zum zwanzigsten Fest der Jugend der Loretto-Gemeinschaft.
Wir feiern hier ein Fest des Heiligen Geistes! Das ist Pfingsten, der Geburtstag der Kirche!
Ein großes Willkommensplakat begrüßt jeden, der an diesem Pfingstwochenende über den Platz vor dem Salzburger Dom schlendert und sich vielleicht die Frage stellt, warum riesige Scharen junger Menschen, die alle Bändchen mit dem Schriftzug „Come Holy Spirit“ um das Armgelenk tragen, rund um den Dom unterwegs sind. Nicht allein das rot-weiße Armband ist auffällig, auch ihr freudiges Strahlen im Gesicht und die fröhlichen Melodien auf ihren Lippen lassen erkennen: Hier wirkt an diesem Wochenende der Heilige Geist.
Bereits zum zwanzigsten Mal veranstaltet die katholische Loretto-Gemeinschaft in diesem Jahr das Pfingstfest für junge Menschen, die den Geburtstag der Kirche auf ganz intensive Weise erleben wollen. Am Freitagabend strömen viele mit Schlafsack und Isomatte ausgerüstete Jugendliche von allen Seiten in die Innenstadt Salzburgs ein. „Heute Morgen um 8:00 Uhr sind wir aufgebrochen“, erzählt Klara, die aus Trier angereist ist. Sie schaut auf die Uhr und sieht, dass sie jetzt seit mehr als 12 Stunden unterwegs ist. „Aber jetzt sind wir endlich da, jetzt kann es losgehen.“, sagt sie und freut sich auf die vielversprechenden Tage, die vor ihr liegen.
Ein umfangreiches Programm rund um den Heiligen Geist und das Leben als junge Christin und junger Christ erwartet die mehreren tausend Angereisten. Rund 70 Workshops zu Themen wie Gebet, Berufung und Jüngerschaft regen zum Nachdenken an und bieten Gelegenheit zum Austausch. Katechesen und Zeugnisse anderer junger Christen sollen die Teilnehmer in ihrem Glauben bestärken. Jeder der drei Tage beginnt mit Morgenlob und Lobpreis-Musik im Dom. Die Pfingstband der Loretto-Gemeinschaft, bestehend aus mehreren Sängerinnen und Sängern, Schlagzeug, Bass, Gitarren und Geigen übernimmt die gesamte musikalische Gestaltung des Wochenendes.
Ein besonderer Programmpunkt ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des Wochenendes, das Gebet für Stadt und Land von der Salzburger Festung aus. Ein Abend der Barmherzigkeit am Samstag bietet Gelegenheit zur Beichte. An zahlreichen Orten innerhalb des Doms und auf dem Domplatz sitzen Priester, um das Sakrament der Versöhnung zu spenden. Weiß gekleidete Personen, die auf ihrem Rücken als „Prayer Station“ gekennzeichnet sind, bieten ihr segnendes Gebet an.
Das diesjährige Pfingstfest orientiert sich ganz am Vorbild der Mutter Gottes. Es geht um ihr „Ja“ , das sie Gott gegeben hat und das auch wir als Christen Gott immer wieder geben dürfen und sollen. „Ja, Yes, Si, Oui – das sind die Schlüsselworte der Erneuerung für unsere uralte Kirche. Wir träumen von einer Erneuerung der Kirche in unserem Land, in Europa und
auf der ganzen Welt.“, so Georg Mayr-Melnhof, Gründer der österreichischen Loretto-Gemeinschaft. Mit dieser Vision knüpft er an das damalige Pfingstereignis an, als Jesus seinen Jüngern den Heiligen Geist schenkte und damit die Kirche gründete. Der damit verbundene Auftrag, sowohl damals als auch heute die frohe Botschaft zu verkünden, bleibt unsere zentrale Aufgabe als Christen. „Der Herr baut in diesen Tagen seine Kirche wieder auf. Und wir haben das Privileg, in diesen Tagen leben zu dürfen.“ Dies griff auch Papst Franziskus beim diesjährigen Weltjugendtag in Panama auf. „Ihr jungen Menschen seid das „Jetzt“ der Kirche - nicht nur die Zukunft, sondern die Gegenwart“, paraphrasiert Georg Mayr-Melnhof die Worte des Papstes.
Am Sonntagmorgen zelebriert der Salzburger Erzbischof Dr. Franz Lackner das Pfingsthochamt, in das auch die Firmung der Salzburger Domgemeinde eingeschlossen ist. Er möchte in seiner Predigt mit den Jugendlichen gedanklich nach Nazareth zurückkehren, an den Ort, wo eine junge Frau damals sagte: „Siehe, mir geschehe, wie Du gesagt hast.“ Diesen Gedanken führt der Erzbischof weiter aus: „Habt Mut, gebt Eurem Herz einen Stoß, sagt Ja, so wie Maria. Dann wird etwas geschehen - ob ihr es merkt oder nicht. Seid Gottes Stimme in dieser Welt!“, fordert er die jungen Menschen auf, deren Entscheidung für den Glauben er an diesem Pfingstmorgen mit dem Heiligen Geist besiegelt.
Im Rahmen ihrer Firmvorbereitung sind einige Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Salzburg gekommen. „Wir waren letztes Jahr zum ersten Mal mit unserer Firmgruppe hier- wenig begeistert von der Idee und ohne große Erwartungen. Nach ein paar Stunden waren wir einfach nur noch begeistert -von dieser Stimmung hier, von der riesigen Freude. Wir sind nach Hause gefahren, haben einen Gebetskreis gegründet und sind dieses Jahr natürlich wieder dabei!“, erzählt die 16-jährige Elli, die mit ihren Freundinnen aus München angereist ist.
Viele junge Christen, die vielleicht an diesem Pfingstfest zum ersten Mal an einer solchen Veranstaltung teilnehmen und die überströmende Freude noch leicht befremdlich finden, lädt das Fest der Jugend ganz besonders ein, einen bedeutenden Schritt in ihrem Glauben zu gehen; einen ersten Schritt auf Jesus zu, ein erstes „Ja“ zu ihm und seiner Nachfolge. Die sogenannte Lebensübergabe am Sonntagnachmittag ist jedes Jahr wieder ein großer Höhepunkt des Pfingstwochenendes. All diejenigen, die zum ersten Mal die Entscheidung treffen wollen, Jesus zum Herrn über ihr Leben zu machen, dürfen nach vorn zum Altar kommen und umringen das Allerheiligste. „Aber wisst ihr, der große „Ja-Sager“ ist zuerst Gott. Er findet Dich einfach cool. Er singt sein Lied über DICH.“, spricht ihnen der Leiter der Loretto-Gemeinschaft Maximilian Oettingen zu.
Nach der Lebensübergabe und dem Heilig-Geist-Gebet ist die Freude groß. Sie strecken ihre Hände Richtung Himmel, die 8.000 vom Geist gesalbten Jugendlichen, die jede Ecke des Salzburger Doms ausfüllen und singen „Jesus, Du bist der Grund, warum wir feiern!“. Die Wände der jahrhundertealten Kathedrale beben und der Dombaumeister hofft auch in diesem Jahr wieder auf ein Pfingstwunder, dass nicht plötzlich der Boden einstürzt und alle Feiernden ein Stockwerk weiter unten in der Krypta landen.
„Ich durfte an diesem Wochenende eine ganz neue Lebendigkeit erfahren. Ich konnte neu in eine tiefe, tiefe Liebe zu Jesus eintauchen und Kirche als wunderbare Gemeinschaft erleben.“, fasst die Studentin Klara ihre diesjährige Pfingsterfahrung zusammen und nimmt sich fest vor, im nächsten Jahr wiederzukommen und noch viele weitere Freunde mitzubringen.
„Jetzt fließt ein Strom der Gnade, der uns liebevoll hinausspült, zurück in diese Welt. Ruft den Namen Jesu aus, er ist so stark. Tragt den Namen Jesu in diese Welt hinaus!“ Mit diesen Worten sendet der Loretto-Gründer die jungen Menschen zurück in ihre Städte und Länder, in ihre Schulen, an ihre Universitäten, in Freundeskreise und Familien. „Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!“, verabschiedet er die Abreisenden.
Infobox
Loretto-Gemeinschaft
Die Loretto-Gemeinschaft ist eine katholische Bewegung, die am 04. Oktober 1987 von einigen Jugendlichen in Wien gegründet wurde. Nach der Gründung mehrerer Gebetskreise in verschiedenen Städten Österreichs entstand ihre Vision eines neuen Feuers des Heiligen Geistes in Österreich. Sie beten und wirken für eine Erneuerung der Kirche durch die junge Generation. Die Gemeinschaft will in ihren Apostolaten Räume schaffen, in denen Menschen Gott begegnen können, und so wie Maria, Ja sagen können zum Willen Gottes. Der Name Loretto kommt vom italienischen Wallfahrtsort Loreto in deutscher Schreibweise.
Inzwischen gibt es in zahlreichen Städten Österreichs und auch in Deutschland, Italien, Ungarn und der Schweiz Loretto-Gebetskreise. Die Gemeinschaft hat derzeit ca. 500 Mitglieder. Zusätzlich dazu veranstaltet die Gemeinschaft mehrere Male im Jahr Festivals für junge Menschen, unter anderem das Fest der Jugend an Pfingsten in Salzburg oder das Herz-Jesu-Festival in Innsbruck.
In Salzburg hat die Gemeinschaft ihre Zentrale, die Home Mission Base, außerdem ein Gebetshaus, in dem 24/7 Gebet stattfindet und eine Jüngerschaftsschule, wo Jugendliche die Möglichkeit haben, mehrere Monate ihres Leben in der Nachfolge Jesu geschult zu werden.

Text: Hannah Küppers